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Vorgeschichtliche und mittelalterliche Befestigungen am linken Ufer des Flusses Buna

Nach Ermanno Armao, Località, chiese, fiumi, monti e toponimi varii di un’antica carta dell’Albania Settentrionale, Rom, 1933.
„Jeder Dorfname, jede Kirche in Ruinen, jede zerbrochene Brücke erzählt eine uralte Geschichte, die es verdient, gehört zu werden“

Forscher, Orientalist, Kartograf und tiefgründiger Kenner der albanischen Kultur – Ermanno Armao (1887–1960) widmete sich mit Leidenschaft und wissenschaftlicher Strenge der Dokumentation des Territoriums Nordalbaniens. Er trat 1912 in den italienischen Konsulardienst ein und hatte bis 1940 diplomatische Posten in Antalya, Córdoba, Shkodra, Boston, Istanbul und Köln inne.Besonders bedeutsam ist sein kartografischer und toponomastischer Beitrag im Zusammenhang mit der Stadt Shkodra – Sitz historischer italienischer Vertretungen.
Armao, inspiriert von der Arbeit des venezianischen Kartografen Vincenzo Coronelli, analysierte eingehend die Karte mit dem Titel Corso delli fiumi Drino e Boiana (Venedig, 1688). Das Ergebnis dieser Studie ist die Veröffentlichung Località, chiese, fiumi, monti e toponimi varii di un’antica carta dell’Albania Settentrionale, die 1933 in Rom erschien und später auch ins Albanische übersetzt wurde.

In diesem Werk vergleicht Armao die Angaben der Karte aus dem 17. Jahrhundert mit dem damaligen Territorium und stellt mit Erstaunen die Übereinstimmung zahlreicher Informationen fest – ein Beweis für die Genauigkeit historischer Quellen und die Beständigkeit mancher Ortsnamen über Jahrhunderte hinweg. Dies ist ein Zeugnis wahrhaft wissenschaftlicher Arbeit, aber auch Ausdruck des Wunsches, unser Land zu erforschen und zu entdecken. Zwei Venezianer – Armao und Coronelli – erinnern uns so an die historischen Beziehungen zwischen Shkodra und Venedig.

Armaos Werk beginnt mit der Schilderung des Moments, in dem er erstmals von der Existenz der Karten und der gesammelten Informationen Vincenzo Coronellis erfuhr. Nachdem er einen Überblick über die bereits bestehenden Werke und Forschungen zu den albanischen Gebieten gibt, erläutert Armao seine eigene Vorgehensweise. Zunächst überprüfte er die Informationen auf Coronellis Karten und hob hervor, mit welcher Leichtigkeit er viele davon bestätigen konnte, da die beschriebenen Gebiete weitgehend ihre ursprünglichen Merkmale bewahrt hatten.

Armaos Zugang war jedoch nicht nur theoretischer Natur: Er reiste selbst zu Fuß, um die von Coronelli erwähnten Orte, Kirchen, Berge und Flüsse persönlich zu verifizieren und etwaige Unstimmigkeiten zu korrigieren. Besondere Sorgfalt widmete er auch der Transkription und Phonetik albanischer Namen. Er analysierte genau die phonemischen Besonderheiten wie /q/, /ç/, /gj/, /xh/ und stellte ihre italienisierten Varianten dar (z. B. ShirqiSirichio, GjadriGiadri).

Seine Studie lässt sich auch als eine Art symbolisches Register verstehen: Neben den Ortsnamen fügt Armao religiöse Symbole ein (Kreuz oder Halbmond), um die vorherrschende Religion anzuzeigen – ein Hinweis auf eine soziale Analyse des Territoriums. Die Liste der Kirchen, Familien und geografischen Besonderheiten bietet ein umfassendes Panorama Nordalbaniens jener Zeit.

Armao stellt seine Arbeit mit der Überzeugung vor, dass man zur Kenntnis eines Volkes, seiner Bewohner und seiner Geschichte stets die geografischen Karten heranziehen müsse – und dass nur durch systematische Forschung eine Orientierung im Meer der Informationen möglich sei.
Der Autor – sehr bescheiden – hofft einerseits, dass das Buch bei Leserinnen und Lesern sowie bei Forscherinnen und Forschern, ob albanisch oder aus dem Ausland, Anklang findet. Andererseits betont er die Freude, die er dabei empfindet, eine alte Karte ans Licht gebracht, eine Forschungsarbeit durchgeführt und das albanische Land besser kennengelernt zu haben.

Die Veröffentlichung Armaos ist als Ausdruck des Wunsches zu verstehen, das Territorium, in dem er selbst lebte, zu erfassen und zu verstehen. Durch solche Publikationen kamen Ausländer – Italiener und andere – in direkten Kontakt mit der Natur und zugleich mit den Möglichkeiten, die sie bot. Tatsächlich sind kultureller Austausch und Feldforschung die geeignetsten Mittel, um einander kennenzulernen und wertzuschätzen.

Auf der Grundlage von Armaos Werk lassen sich mehrere Routen entwerfen, die sowohl ausländischen als auch albanischen Besucherinnen und Besuchern angeboten werden können, die unser Land auf der Suche nach Geschichte und Natur erkunden möchten. Die von uns vorgeschlagene Route ist jene der vorgeschichtlichen und mittelalterlichen Befestigungen am linken Ufer des Flusses Buna.

Itinerar: Vorgeschichtliche und mittelalterliche Befestigungen
Die prähistorische Befestigung von Beltoja (Baltogna)
Die illyrische befestigte Siedlung von Beltoja, südlich von Shkodra gelegen, ist eine archäologische Stätte, die auch als “Qyteza e Beltojës” bekannt ist. Sie stellt ein bedeutendes Zeugnis der Verteidigungsarchitektur und der territorialen Organisation der illyrischen Stämme dar – insbesondere des Stammes der Labeaten. Die Anlage befindet sich auf einem felsigen Höhenzug von 168 Metern und liegt strategisch so, dass sie die umliegende Ebene sowie die natürlichen Verbindungswege vom Landesinneren zur Adriaküste überblickt.

„… mit Blick auf die Ebene von Drinasa und Trush …“ (Armao, 1933: 41)

In verschiedenen Studien werden die Morphologie des Ortes, die Art der Befestigung und die gefundenen Materialien beschrieben. Dabei wird betont, dass Beltoja Teil eines koordinierten Systems befestigter Siedlungen war – zusammen mit anderen Stätten wie Ganjolla und Gajtani.
Durch topografische Erhebungen, Feldforschungen und vergleichende Analysen wurde nachgewiesen, dass die Stätte der Eisenzeit angehört und auch während der klassischen und hellenistischen Perioden kontinuierlich bewohnt war.

Besonders hervorgehoben werden die Schutzfunktion sowie die mögliche wirtschaftliche und symbolische Rolle der Siedlung. Auf diese Weise wird ein Beitrag zum Verständnis der protalbanischen Urbanisierung in Nordalbanien geleistet sowie zur wissenschaftlichen Diskussion über das Netzwerk illyrischer Siedlungen im weiteren Balkankontext.

Der Ort befindet sich etwa 25 Kilometer von Shkodra entfernt, und auch heute lassen sich folgende Elemente bewundern:

  •  die Mauern und Türme, zwischen denen man spazieren kann und dabei die kraftvolle mittelalterliche Verteidigungsstruktur erkennt;
  •  die umliegende ländliche Landschaft, die zur Reflexion über das Verhältnis zwischen Mensch, Schutz und Umwelt einlädt;
    • der spektakuläre Ausblick auf die Buna-Mündung, das Tal und das Meer am Horizont.

All dies kann als Kulisse für die Gestaltung eines hervorragenden Fotospots mit eindrucksvollen Motiven dienen – ohne das Gedränge, das oft an bekannteren Festungsstätten herrscht.

Hinweis: Fernglas nicht vergessen – zur Beobachtung der Morphologie der Flussmündung und des Bootsverkehrs auf dem Wasser.

  • Die mittelalterliche Befestigung von Belaj (Belagni)
    „… Die Buna bahnt sich ihren Weg durch die Hügel und bildet die sogenannte ‚Enge von Belaj‘, nur 1000 Meter breit, wo der Fluss zu Fuß überquert werden kann und wo im Jahr 1477 eine Seeschlacht zwischen Venezianern und Türken stattfand.“ (Armao, 1933: 43)Die strategische Lage von Belaj – an der gleichnamigen Flussenge, die die Höhenzüge von Belaj und Fraskanjel verbindet – machte diesen Ort seit der Antike zu einem wichtigen Kontrollpunkt des Flussverkehrs. Venezianische, osmanische und albanische Quellen bezeugen die Existenz einer Befestigung, vermutlich aus der Zeit der Balsha-Dynastie (Ende des 14. Jahrhunderts), die eine Schlüsselrolle bei den beiden Belagerungen von Shkodra in den Jahren 1474 und 1478–79 spielte.

Mehrere Quellen – darunter auch Berichte von Chronisten wie Gjon (Giovanni) Merula – bestätigen, dass die Festung 1474 von den Osmanen eingenommen, verstärkt und auch in den folgenden Jahrzehnten erhalten wurde, um den Fluss Buna zu kontrollieren und venezianische Verstärkungen am Zugang zur Stadt zu hindern.

Die Ruinen der Befestigung – ein rechteckiger Grundriss von etwa 40 × 30 Metern mit zwei Türmen, einem runden und einem quadratischen – weisen typische Merkmale mittelalterlicher Mauertechnik auf. Der Bericht schließt mit dem Hinweis, dass weitere systematische archäologische Ausgrabungen zur genauen Bestimmung der Ursprünge und der Entwicklungsphasen der Anlage beitragen könnten.

Der Ort liegt 15 Kilometer von Beltoja entfernt, und auch heute lassen sich folgende Elemente bewundern:
• die erhaltenen Mauerreste und ihre beeindruckenden Ausmaße;
• die zwei deutlich erkennbaren Türme an der Ost- und Nordseite;
• ein atemberaubender Ausblick: offen zur Buna-Enge, zur Ebene von Shkodra und bis hin zur Adria;
• eine natürliche Umgebung: ein eindrucksvoller Flusskorridor, in dem Geschichte und Natur ineinandergreifen.

Der Ort sollte nicht nur wegen seines immersiven Naturerlebnisses besucht werden – mit Spaziergängen zwischen alten Mauern und dem Blick auf die Engstelle, die die strategische Funktion der Anlage spürbar macht – sondern auch, weil er eine Verbindung zur Geschichte schafft. Er erzählt von lokalen Fürstentümern, venezianischen Rivalitäten und osmanischen Kriegen.

Hinweis: Ideal für einen kurzen Ausflug – geeignet für alle, die gern wandern und Geschichte vor Ort erleben möchten.

  • Die prähistorische Befestigung, Mali i Gjymtit, Pentar (Penetari)
    „… auch Penetari, der sich links der Buna, in der Nähe von Belaj befindet, existiert seit 500 Jahren“ (Armao, 1933: 99)Der Mali i Gjymtit, gelegen in der Tiefebene von Unter-Shkodra (Nënshkodra), ist ein Hügel, der das linke Ufer der Buna überragt – genau an jener Stelle, an der der Fluss durch eine tektonische Verwerfung fließt und die eindrucksvolle Enge von Belaj formt. Diese natürliche Passage hat eine tektonische und erosive Entstehungsgeschichte und ist von zwei Höhenzügen umgeben: dem Belaj-Berg im Süden (albanisches Gebiet) und Fraskanjel im Norden (heute auf montenegrinischem Gebiet).Auf dem Gipfel des Belaj-Bergs, auf einer Höhe von 118 Metern, befindet sich eine natürliche Terrasse namens Tabja e Belajve, von der sich ein weiter Panoramablick über die gesamte Shkodra-Ebene bietet – von der Stadt selbst bis Velipoja und weiter zur Adriaküste.

Diese strategische Lage machte den Ort ideal für den Bau einer mittelalterlichen Befestigung, von der heute bedeutende Reste erhalten sind: gerade Mauern, zwei Ecktürme (ein runder und ein quadratischer) sowie Mauerfragmente aus Kalkstein, die mit Mörtel verbunden wurden.

Laut historischen Quellen und lokalen Legenden befanden sich im Mittelalter auf diesen Höhen zwei Burgen namens Bela und Fraska, die symbolisch zwei albanischen Prinzessinnen zugeschrieben werden, die in der Region herrschten und Mautgebühren von den Schiffern der Buna erhoben.
Diese Burgen wurden vermutlich während der venezianischen Herrschaft zerstört oder umfunktioniert und später, im Jahr 1474, während der osmanischen Belagerung von Shkodra, von den Türken eingenommen. Gerade in dieser Zeit wurde der Ort zu einem strategischen Sperrpunkt ausgebaut, um das Vordringen venezianischer Truppen über den Fluss zu verhindern.

Die Gegend ist ideal für Liebhaber des Bergwanderns (Trekking) und bietet:

  •  Reste mittelalterlicher Mauern, die an mehreren Stellen gut erhalten sind – insbesondere an der Nord- und Nordostseite;
    • die Entdeckung von Überresten von Wehrtürmen, die in die Befestigungsstruktur integriert waren;
    • ein Panorama über das Buna-Tal, die Stadt Shkodra, den gleichnamigen See und die Adriaküste;
    • die Erkundung einer natürlichen Umgebung mit reicher Biodiversität, in der Geschichte und Landschaft auf harmonische Weise miteinander verschmelzen.

Hinweis: Festes Schuhwerk wird empfohlen, da das Gelände natürlich und in einigen Bereichen rutschig ist.